
Bewässerung
Regenwasser nutzen: Tonne, Zisterne und was sich wirklich rechnet
Ein durchschnittliches Hausdach fängt im Jahr mehr Wasser auf, als ein Garten je brauchen könnte – und leitet es in den Kanal. Regenwassernutzung ist deshalb weniger eine Frage der Menge als der Speicherung: Wasser fällt an, wenn es regnet, gebraucht wird es, wenn es trocken ist.
Wie viel dein Dach hergibt
Die Formel lautet: Dachfläche in m² × Jahresniederschlag in mm × 0,8. Der Faktor berücksichtigt Verdunstung und Verluste im Filter. Ein 120 Quadratmeter großes Dach in einer Region mit 700 Millimetern Niederschlag liefert damit rund 67.000 Liter im Jahr.
Zum Vergleich: Ein 200 Quadratmeter großer Garten braucht in einer trockenen Woche etwa 3.000 bis 4.000 Liter. Der Ertrag reicht also bei Weitem – nur eben nicht zum richtigen Zeitpunkt.
Regentonne oder Zisterne
| Regentonne | Erdzisterne | |
|---|---|---|
| Volumen | 200 bis 1.000 Liter | 3.000 bis 10.000 Liter |
| Kosten | 40 bis 300 Euro | 2.500 bis 6.000 Euro inkl. Einbau |
| Aufwand | Fallrohrfilter anbringen, fertig | Erdarbeiten, Pumpe, Leitungen |
| Reicht für | Beete, Kübel, Hochbeet | Rasen, Beete, ggf. WC und Waschmaschine |
| Frostschutz | im Winter entleeren | frostfrei durch Erdlage |
Als Faustregel für die Speichergröße gelten rund fünf Prozent des Jahresertrags – bei 67.000 Litern also etwa 3.000 Liter. Mehr Volumen bringt kaum zusätzlichen Nutzen, weil der Speicher zwischen zwei Regenereignissen ohnehin selten leer wird.
Was zu einer funktionierenden Anlage gehört
- Laubfilter oder Fallrohrfilter – ohne ihn setzt sich der Speicher innerhalb einer Saison zu.
- Dichter Deckel gegen Licht, Algen, Mücken und als Sicherung für Kinder. Ein offener Behälter ist eine ernste Gefahrenquelle.
- Überlauf, der kontrolliert in Kanal oder Versickerung führt. Ohne ihn steht das Wasser am Haus.
- Entnahme: Hahn bei der Tonne, Tauchpumpe oder Hauswasserwerk bei der Zisterne.
- Winterfest: Tonnen im Herbst entleeren und umdrehen, Leitungen entwässern.
Für die Pflanzen ist Regenwasser besser
Es ist weich, kalkfrei und hat Umgebungstemperatur. Gerade Moorbeetpflanzen wie Rhododendron, Hortensien und Heidelbeeren danken es sichtbar, und Zimmerpflanzen bekommen keine Kalkränder. Nur bei Nutzpflanzen gilt eine Einschränkung: Wasser, das lange in der Tonne stand, sollte nicht direkt auf essbare Blätter gegossen werden – lieber bodennah gießen.
Wenn es ins Haus gehen soll
Regenwasser für Toilettenspülung und Waschmaschine ist zulässig, aber technisch anspruchsvoll: Es braucht ein vollständig getrenntes, gekennzeichnetes Leitungsnetz, eine normgerechte Trennung zum Trinkwassernetz und eine Nachspeisung über einen freien Auslauf. Eine direkte Verbindung zur Trinkwasserleitung ist unter allen Umständen unzulässig. Die Anlage muss beim Wasserversorger angezeigt werden, in manchen Kommunen zusätzlich beim Gesundheitsamt.
Der Einstieg bleibt trotzdem einfach: Eine 300-Liter-Tonne am Fallrohr kostet unter hundert Euro, ist in einer Stunde montiert und deckt den Bedarf für Kübel und Hochbeet über weite Teile des Sommers.
Wie viel Regenwasser liefert mein Dach?
Dachfläche in Quadratmetern mal Jahresniederschlag in Millimetern mal 0,8 für Verluste. Bei 120 Quadratmetern und 700 Millimetern ergibt das rund 67.000 Liter im Jahr.
Darf ich Regenwasser im Haus nutzen?
Für Toilettenspülung und Waschmaschine ja, aber nur mit strikt getrenntem Leitungsnetz, Kennzeichnung und Rückflussverhinderung. Die Anlage ist beim Wasserversorger und teils beim Gesundheitsamt anzuzeigen.
Wird Regenwasser in der Tonne schlecht?
Es verkeimt, wenn Licht und Laub hineingelangen. Ein dichter Deckel, ein Laubfilter am Fallrohr und regelmäßiges Entleeren halten es für die Gartenbewässerung problemlos brauchbar.
Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Titelbild: KI-generiert.